Spannungsfelder Transplantations- und Alterschirurgie

02.05.2003 - (idw) Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften

"zurück in die ZUKUNFT" - Deutsche Gesellschaft für Chirurgie: 29.04.- 02.05.03 in München

München, 30.04.2003. "Die Organspende in Deutschland stagniert praktisch seit 10 Jahren", berichtet Univ.-Prof. Dr. med. Peter J. Neuhaus, Transplantationsexperte an der Berliner Charité. Die Ursachen hierfür sieht der Mediziner in mangelhafter Aufklärung, der Verunsicherung der Bevölkerung durch gesellschaftliche Diskussionen über den Hirntod, organisatorischen Mängeln und finanziellen Restriktionen in den Krankenhäusern.
"Um dem Organmangel zu begegnen, wird besonders bei Nieren- und Leberpatienten immer häufiger die Lebendspende von nahen Verwandten eingesetzt", so Neuhaus. In den USA seien im Jahre 2002 bereits mehr als 50 Prozent der Nierentransplantationen mit Organen von Lebendspendern durchgeführt worden, in Deutschland sei diese Zahl rasch auf jetzt um 20 Prozent angestiegen.
Durch den Vorwurf der Kommerzialisierung und das Risikopotential für den Organspender sei die Lebendspende erheblich in die Kritik geraten.
Schweinenierentransplantationen und Organzüchtung aus Stammzellen sind für den Mediziner "eher Träume für eine ferne Zukunft". Mit der altruistischen Lebendspende, mit deren Problematik man sich im Rahmen eines Kongresses zur Ethik in der Transplantationsmedizin auseinandergesetzt habe, möchte Neuhaus etwas zur Linderung des Organmangels beitragen. Allerdings stellt sich für ihn die Frage, "ob die Gesellschaft angesichts knapper Kassen gewillt ist, den Preis für mehr und sicherere Transplantationen zu bezahlen."

Zum Thema Alterschirurgie erklärt Univ.-Prof. Dr. med. Dr. h.c. J. Rüdiger Siewert, dass Kontraindikation gegen operative Eingriffe allein aufgrund des Alters heute in der modernen Chirurgie nicht mehr zu akzeptieren seien. Patienten im fortgeschrittenen Lebensalter seien heute häufig biologisch wesentlich fitter als noch Gleichaltrige in der Vorgeneration. Darüber hinaus artikulierten auch alte Menschen den durchaus nachvollziehbaren dringenden Wunsch, adäquat behandelt zu werden. "Vielmehr geht es auch beim älteren Patienten darum, die einzelnen Organsysteme im Sinne einer Risikoanalyse zu erfassen und auf dem Boden dieser objektiven Daten die Entscheidung zu treffen," ob ein operativer Eingriff dem Patienten zumutbar ist oder nicht", konstatiert der Mediziner.


Pressekonferenzen im Rahmen des 120. Kongresses der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie: Pressezentrum des ICM - Internationales Congress Center München, Saal 22, Messegelände: Do.: 11.00 Uhr. Bitte beachten Sie, dass die Abschluss-Pressekonferenz am Fr., 02.05.03 um 12.00 Uhr beginnt.

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