DGIM: Mediziner müssen mit Bluttransfusionen haushalten

22.04.2009 - (idw) Deutsche Gesellschaft für Innere Medizin e. V.

Wiesbaden - Die Bereitschaft Blut zu spenden, ist in den vergangenen zehn Jahren stark gesunken: Weniger als drei Prozent der Bevölkerung spenden regelmäßig. Gleichzeitig steigt der Bedarf an Blutkonserven ständig an. Etwa um das Jahr 2015 erwarten Fachleute kritische Engpässe in der Versorgung. Wie mit dem Spenderblut sparsam umzugehen ist, erörterten Mediziner auf dem 115. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Innere Medizin (DGIM), der vom 18. bis 22. April 2009 in Wiesbaden stattfand. "Die Rahmenbedingungen erfordern mit dem knappen Spenderblut rationell zu verfahren", sagt Professor Dr. med. Lothar Engelmann, Leiter der Internistischen Intensivmedizin am Universitätsklinikum Leipzig. Ein Ansatz bestehe darin, Blutentnahmen bei Patienten auf der Intensivstation zu reduzieren. Die häufige Entnahme von Blut sei ein Grund dafür, dass Patienten Transfusionen benötigten.

Für die tägliche Praxis bedürfe es zudem Richtlinien, die einen reduzierten Einsatz von Transfusionen ermöglichen - ohne den Patienten dadurch zu gefährden, so der Experte im Vorfeld des Internistenkongresses. Untersuchungen ergaben, dass Patienten von einer Verringerung der Bluttransfusionen sogar profitieren, erläutert Engelmann. Entscheidend ist dabei der Wert des roten Blutfarbstoffs Hämoglobin. Bei Gesunden liegt er je nach Geschlecht um 14 Gramm Hämoglobin pro Deziliter Blut. "Eine große Studie hat gezeigt, dass eine restriktive Transfusionsphilosophie mit einem angestrebten Hämoglobin-Wert zwischen sieben und neun bei kritisch Kranken höhere Überlebensraten aufweist als eine liberale Strategie mit HB-Werten über neun", so Engelmann. Ausgenommen davon seien Patienten mit Herzinfarkt und Angina pectoris.

Noch vor zehn Jahren war der Anteil der Blutspender mehr als doppelt so hoch wie heute. Neben der nachlassenden Bereitschaft zur Spende - vor allem bei jüngeren Menschen - sind auch schärfere Sicherheitsrichtlinien für den Rückgang verantwortlich. Menschen, die nur helles Fleisch essen, erfüllen zum Beispiel kaum die vorgegebenen Mindestwerte für Hämoglobin. Wer in Regionen mit hohem Infektionsrisiko reist, darf danach erst einmal nicht spenden. Und viele ältere Menschen scheiden aus, da sie regelmäßig Medikamente einnehmen oder das Höchstalter von 68 Jahren überschreiten.

Demgegenüber ist die Medizin mehr und mehr auf das Blut und Plasma von Spendewilligen angewiesen. Gründe für den steigenden Bedarf sind neue operative Verfahren und aggressivere Therapien. Bei einer Operation unter Einsatz der Herz-Lungen-Maschine etwa benötigt ein Patient mindestens zehn Blutspenden. Krebspatienten brauchen häufig nach einer Chemo- oder Strahlentherapie Transfusionen. Experten schätzen, dass rund 80 Prozent aller Deutschen mindestens einmal im Leben Blutkonserven oder Medikamente aus Blutplasma benötigen.

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