Ein großes Netz für die Karriere

14.09.2010 - (idw) Julius-Maximilians-Universität Würzburg

Vom 8. bis 10. September fand an der Universität Würzburg die Jahrestagung des Career Service Netzwerks Deutschland statt. Im Mittelpunkt stand dabei die Arbeit von Career Service-Einrichtungen an Hochschulen in Europa. Einen besonderen Akzent setzte allerdings ein Gast aus den USA. 25.000 Studierende hat die State University of New York at Stony Brook. 15 Mitarbeiter hat das dortige Career Center. Zahlen, bei denen die Mitarbeiter deutscher Hochschul-Career-Center vor Neid erblassen dürften. Gelegenheit dazu hatten sie jetzt bei der Jahrestagung des Career Service Netzwerks Deutschland an der Uni Würzburg. Gastrednerin war Marianna Savoca, Leiterin des Career Centers der State University auf Long Island. In ihrem Vortrag gab sie einen Überblick über ihre Arbeit und die ihrer US-amerikanischen Kollegen und machte dabei klar: Auch amerikanische Karriereberater haben bisweilen mit Problemen zu kämpfen.

Die Auswirkungen der Wirtschaftskrise

Die Wirtschaftskrise verschont auch amerikanische Hochschulen nicht nicht einmal die staatlichen. In Kalifornien wurden die Mitarbeiter der Career Center auf Kurzarbeit gesetzt, natürlich mit reduziertem Gehalt. Und wer weiß, was bei uns in New York noch kommen wird, sagte Marianna Savoca. Auch sie musste in den vergangenen Jahren zwei ihrer Mitarbeiter abgeben. Trotzdem ist ihr Stab im Vergleich zu Europa noch immer enorm groß. Für die USA hingegen liegt er im Durchschnitt: Vor allem die privaten Universitäten beschäftigen in ihren Career Center teilweise mehr als doppelt so viele Berater wie Marianna Savoca bei nicht einmal der Hälfte der Studierenden. Dementsprechend umfangreich ist ihr Angebot.

Educate Prepare Connect: So beschrieb Savoca die Hauptaufgaben amerikanischer Career Center. Workshops, Karriereberatung, Hilfe beim Erstellen eines Lebenslaufs, Jobbörsen, Messen und die Betreuung von Ehemaligen: Diese Leistungen gehören laut ihren Aussagen zum normalen Angebot sämtlicher Einrichtungen in den USA. Alles mit dem Ziel, den Studierenden den Wechsel ins Berufsleben so leicht wie möglich zu machen. Wer es sich leisten kann, bietet mehr: Dann vermitteln die Berater beispielsweise Jobs auf dem Campus, bieten Praktika in ihrer eigenen Einrichtung an, helfen beim Umzug und unterstützen Arbeitslose bei der Weiterqualifikation. Dabei setzen sie selbstverständlich auch auf modernste Technik.

Ohne Social Networks geht es nicht

81 Prozent der Career Center großer Universitäten in den USA haben eine eigene Facebook Fan-Page, sagte Savoca. Sie selbst ist natürlich auch in dem Netzwerk zu finden. Auch andere social networks nutzt die State University: LinkedIn biete sich beispielsweise an, um Kontakte mit Ehemaligen und mit potenziellen zukünftigen Arbeitgebern der Studierenden zu pflegen. Ohne social networking sei die Arbeit der Career Center heute undenkbar, glaubt die Amerikanerin. Dafür lässt sie seit neuestem sogar eine ihrer Mitarbeiterinnen kurze Meldung per Twitter verschicken.

Kontakte: Sie sind die Währung, in denen sich der Erfolg amerikanischer Karriereberater messen lässt. Kontakte nach innen: Machen Sie Ihre Professoren auf ihre Angebote aufmerksam. Sorgen Sie dafür, dass diese ihre Studenten darüber informieren! Und Kontakte nach außen: zu Ehemaligen, zu Eltern und natürlich in die Wirtschaft. Sie sollten für jede Fakultät Ihrer Hochschule mindestens einen Experten haben, der die dazu passenden Firmen und das Jobangebot in Ihrer Region genauestens kennt, sagte Marianna Savoca. Je größer die Fakultät, desto mehr Berater setzt Savoca auf diesen Job an. Und einer ihrer Mitarbeiter kümmert sich um neue Märkte, um Firmen, die in einem Bereich arbeiten, dessen Bedeutung als Arbeitsfeld für heutige Studierende noch gar nicht abzusehen ist.

Ratschläge aus den USA

Lernen Sie Ihren Campus kennen und machen Sie sich ein Bild von den Erwartungen, die jede einzelne Institution an Sie hat! Seien Sie kreativ, wagen Sie Pilotprojekte, aber teilen Sie sich Ihre Kräfte ein! Nutzen Sie Ihre Kontakte suchen Sie Unterstützung bei Ihren Ehemaligen und bei den Studierenden! So lauteten ein paar der Ratschläge, die Marianna Savoca zum Abschluss ihres Vortrags für ihre europäischen Kollegen parat hatte. Der wahrscheinlich wichtigste: Unterstützen Sie sich gegenseitig! Schließlich sind Ihre Einrichtungen so klein.

Weitere Programmpunkte

Nach diesem Blick nach Übersee standen ausschließlich europäische Themen auf dem Programm der Tagung. So berichtete beispielsweise Professor Jean Arrous (Université de Strasbourg) über seine Arbeit als Präsident von Projetpro.com, einem studienbegleitenden Vorbereitungsprogramms für den Berufseinstieg in Frankreich.

Marcel Vaschauner (Hochschule Liechtenstein) informierte über Ansätze für die Career Service-Arbeit an einer kleinen Hochschule wie der seinen, die mit anderen kleinen Staaten wie Malta oder Zypern kooperiert. Und Paul Blackmore stellt als Head of Employability der University of Exeter kreative Ideen vor für neue Angebote britischer Career Center in einem größeren, firmenorientierten Kontext.

Organisiert hatte die Tagung der Career Service der Universität Würzburg.

Kontakt: Krischan Brandl, Career Service, T: (0931) 31-82758, career(at)uni-wuerzburg.de