Schriftstellerinnen im Widerstand gegen den Nationalsozialismus

05.05.2011 - (idw) Universität Augsburg

Gedenkveranstaltung zur Bücherverbrennung 1933 in der Universitätsbibliothek Augsburg am 11. Mai 2011 / "Bibliothek der verbrannten Bücher" bis 22.00 Uhr geöffnet Augsburg/UH/KPP - Die Universitätsbibliothek Augsburg, seit 2009 auch Standort der Bibliothek der ver-brannten Bücher des Sammlers Georg P. Salzmann, lädt anlässlich des 78. Jahrestags der Bücherverbren-nung interessierte Bürgerinnen und Bürger für den 11. Mai 2011 zu einer Gedenkveranstaltung ein. Die Veranstaltung, bei der die Münchner Germanistin Dr. Edda Ziegler über Schriftstellerinnen im Widerstand gegen den Nationalsozialismus vortragen wird, beginnt um 18.00 Uhr in der Ausstellungshalle der Zentral-bibliothek stattfinden. Der Eintritt ist frei. Die in der benachbarten Teilbibliothek Geisteswissenschaften untergebrachte Sondersammlung "Bibliothek der verbrannten Bücher" wird an diesem Abend bis 22.00 Uhr zugänglich sein.

Am 10. Mai 1933 inszenierten die Nationalsozialisten in den Universitätsstädten sogenannte Bücher-verbrennungen, die von NS-Studentenorganisationen vorbereitet worden waren. Tausende von Bürgern waren damals Zeugen dieser Vorgänge mit nächtlichen Fackelzügen zu Plätzen mit Scheiterhaufen, auf denen Bücher ihrer Zeitgenossen brannten. Verbrannt wurden literarische Werke, die dem neuen Regime aus ideologischen und politischen Gründen missliebig waren, vor allem Werke, die sich für die Demokra-tie, für Liberalismus, für das Judentum, gegen Militarismus oder für Sozialismus und Kommunismus einsetzten. Auch Sachbücher wurden verbrannt. Diese Werke durften im Buchhandel nicht mehr angebo-ten werden. Damals begannen Ausgrenzung, Publikationsverbot, Vertreibung und Exil sehr vieler aner-kannter Schriftstellerinnen und Schriftsteller aus Deutschland. Von jenen, die die Jahre des Exils überleb-ten, sind nach 1945 nur wenige nach Deutschland zurückgekehrt.

Schriftstellerinnen im Widerstand gegen den Nationalsozialismus

Erst spät hat ein größeres Publikum erfahren, dass Werke vieler Schriftstellerinnen in den Jahren nach 1933 ebenfalls verboten worden sind. Auch Frauen erlitten das Schicksal der Vertreibung und ihre Na-men wurden aus der offiziellen Literaturgeschichte gelöscht. Nicht selten geschah dies kurze Zeit, nach-dem sie etabliert waren oder erste Bucherfolge verzeichnen konnten. Das Weltbild des Nationalsozialis-mus reduzierte Frauen wieder auf die klassischen Rollen als Hausfrau, Gebärerin und Mutter. Die Schrift-stellerinnen wurden vertreiben, weil sie Jüdinnen waren, wegen ihrer politischen Überzeugung oder wegen ihrer Art zu schreiben. Zu den bekannteren Namen zählen die Lyrikerinnen Else Lasker-Schüler und Mascha Kaleko, die Erfolgsschriftstellerin Vicky Baum und die Prosaautorin Irmgard Keun. Kaum bekannt sind dagegen etwa Hermynia zur Mühlen, die rote Gräfin aus Wien, Veza Canetti aus Wien, die Ehefrau des Schriftsteller Elias Canetti, und die Ärztin Hertha Nathorff aus Laupheim, eine Nichte des Physikers Albert Einstein.

Hilde Domin, Erika Mann, Anna Seghers ...

Für die Gedenkveranstaltung konnte die Bibliothek die Germanistin Dr. Edda Ziegler von der Ludwig-Maximilians-Universität München als Vortragende gewinnen. Sie gibt in ihrem Buch Verboten - verfemt - vertrieben. Schriftstellerinnen im Widerstand gegen den Nationalsozialismus (Deutscher Taschenbuch Verlag 2010) in ausgewählten Porträts einen Überblick über die Schicksale der Autorinnen und ihrer Bücher. In der Gedenkveranstaltung wird Edda Ziegler die Schriftstellerinnen Mascha Kaleko, Else-Lasker-Schüler, Hilde Domin, Erika Mann und Anna Seghers vorstellen und aus deren Werken lesen.

Sondersammlung Salzmann: ein Quellenreservoir ersten Ranges

Die Universitätsbibliothek hat 2009 die Bibliothek der verbrannten Bücher von dem Sammler Georg P. Salzmann erworben. Sie wurde um das Ereignis der Bücherverbrennung 1933 herum aufgebaut und stellt ein Quellenreservoir ersten Ranges mit weltweiter Bedeutung für die Literatur der Zeit dar. Sie umfasst rund 12.000 Bände; die Werke der intensiv gesammelten Autorinnen und Autoren sind zu 90% in Erstausgaben vorhanden. Die Universitätsbibliothek hat die Sondersammlung inzwischen in Eigenlei-stung zum größten Teil erschlossen. Eigene Leseräume der Sondersammlung sind in der Teilbibliothek Geisteswissenschaften im Juli 2010 eröffnet worden. Aus Anlass der Gedenkveranstaltung sind sie am 11. Mai 2011 bis 22.00 Uhr geöffnet. Nähere Angaben hierzu unter http://www.bibliothek.uni-augsburg.de/sondersammlungen/salzmann.html.
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Kontakt:
Dr. Ulrich Hohoff
Universitätsbibliothek Augsburg
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