Halbe-halbe mit Kind(ern) - wie geht das eigentlich?

28.08.2003 - (idw) Freie Universität Berlin

Paare, die sich Familien- und Erwerbsarbeit teilen, sind besonders zufrieden

Wie koordinieren Paare, die sich die Familien- und Erwerbstätigkeit teilen, den gemeinsamen Alltag, und welche Unterstützung erfahren sie von Seiten der Familienpolitik, welche benötigen und welche wünschen sie? Diesen und anderen Fragen geht eine neue Studie nach, die am Fachbereich Politik- und Sozialwissenschaften der Freien Universität Berlin entstanden ist. Unter der Leitung von Prof. Dr. Peter Grottian haben die Politologin Anneli Rüling und der Soziologe Karsten Kassner 25 Paare befragt, die im Erwerbs- und Familienalltag die geschlechterdemokratische Anstrengung auf ihre Fahnen geschrieben haben. Jeweils beide Partner sind erwerbstätig und arbeiten parallel in Teilzeit, haben sich den Erziehungsurlaub geteilt oder arbeiten nahe der Vollzeit. Das Ergebnis: Die Paare sind mit ihrer Lebenssituation in der Regel glücklich, empfinden sich sogar als privilegiert und stoßen auch in ihrer Umgebung nicht auf Vorbehalte. Aber sie benötigen politische Unterstützung, da heute wohlfahrtsstaatliche Rahmenbedingungen in der Bundesrepublik noch eine traditionelle Arbeitsteilung fördern.

Die Wissenschaftler haben sich in ihrem Forschungsprojekt mit folgenden Fragen auseinandergesetzt:
<sum> Warum wählen diese Paare eine geschlechterdemokratische Aufteilung und wie setzten sie diese im Alltag um?
<sum> Welche unterschiedlichen Arrangements von Arbeit und Leben lassen sich herausarbeiten?
<sum> Was bedeutet es, wenn Paare in Teilzeit arbeiten, sich als Doppel-Karrierepaare verstehen, die Erwerbsarbeit oder die Familie im Zentrum steht oder sich ein Rollentausch zugunsten der hochqualifizierten Frau als primär Erwerbstätige vollzieht?
<sum> Wo liegen die härtesten Restriktionen für eine relativ erfolgreiche Bewältigung der Vereinbarkeitsproblematik? Sind die finanziellen Unterstützungen im Sinne von Kindergeld das Problem oder die mangelnden ganztägigen Betreuungsangebote? Wie verläuft der geschlechterdemokratische Diskurs - konfliktgeladen oder auf eher leiseren geschlechterdemokratischen Sohlen?

Das Forschungsteam hat die Ergebnisse ins Verhältnis zu den aktuellen politischen Angeboten gestellt und unterbreitet Vorschläge, wie eine geschlechterdemokratische Erwerbs- und Familienarbeit voran gebracht werden könnte. Sie stellen Modelle vor, wie Teilzeit-Paare mit schwächeren Einkommen gefördert werden und wie junge Paare flexibel eine 15-stündige Kinderbetreuung erhalten können.

Weitere Informationen erteilen Ihnen gern:
- Prof. Dr. Peter Grottian, Tel.: 030 / 838-54961, E-Mail: pgrottia@zedat.fu-berlin.de
- Anneli Rüling, Tel.: 040 / 428 38 30 65, E-Mail: rueling@gmx.de
- Karsten Kassner, Tel.: 069 / 33 08 46 91, E-Mail: k.kassner@soz.uni-frankfurt.de