Aus dem Nichts in die Regierung: Wie funktionierte die Provisorische Zentralgewalt von 1848/49?

31.08.2011 - (idw) Katholische Universität Eichstätt-Ingolstadt

Ein fundierter Einblick in die Arbeit der ersten parlamentarischen Regierung Deutschlands der so genannten Provisorischen Zentralgewalt der deutschen Nationalversammlung in der Revolution von 1848/49 ist das Ziel eines Forschungsprojektes des Lehrstuhls für Neuere und Neueste Geschichte an der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt (KU). In den kommenden beiden Jahren wird das Projekt durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft zunächst mit rund 270.000 Euro gefördert. Grundlage für die Arbeit der Wissenschaftler sind die aus dieser Zeit vorhandenen Akten. Die Edition, welche als Ergebnis der Arbeit entsteht, wird sämtliche Protokolle der Sitzungen des Gesamtreichsministeriums mit deren Beilagen und eine Auswahl erläuternder Akten umfassen. Diese sollen ergänzt werden durch Aufzeichnungen aus den Nachlässen der Beteiligten.

Mit Gründung der Provisorischen Zentralgewalt im Juni 1848 hat die im Frankfurter Parlament bereits institutionalisierte Revolutionsbewegung ihren politischen Führungsanspruch mit Berufung auf die Volkssouveränität untermauert. Nach der sukzessiven Auflösung der Frankfurter Nationalversammlung im Frühjahr 1849 griff sie darüber hinaus mitentscheidend in den Machtkampf zwischen Preußen, Österreich und den deutschen Mittelstaaten um die künftige Ausgestaltung des deutschen Nationalstaats ein. Die angestrebte Fondsedition wird nicht nur diesen Anteil am Revolutionsgeschehen einer bisher unterschätzten Kraft erhellen, sondern auch unter politikwissenschaftlicher Fragestellung Aufschluss über das Funktionieren der ersten parlamentarischen Regierung in Deutschland geben. Zudem hat die Zentralgewalt aus dem Nichts heraus die Infrastruktur für ihr Regieren schaffen müssen durch die Errichtung von Behörden, die Rekrutierung von Personal und die Sicherstellung der Finanzen ein bisher überhaupt nicht beachteter Umstand von besonderem verfassungs- und verwaltungsgeschichtlichem Reiz.

Hinweis an Medienvertreter: Für Fragen zu diesem Projekt wenden Sie sich bitte an Prof. Dr. Karsten Ruppert (Lehrstuhl für Neuere und Neueste Geschichte, karsten.ruppert@ku-eichstaett.de). jQuery(document).ready(function($) { $("fb_share").attr("share_url") = encodeURIComponent(window.location); });