EASY-IMP - Smarte Kleidung mit intelligenten Anwendungen in der Cloud

24.09.2013 - (idw) Deutsches Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz GmbH, DFKI

Im EU-Projekt EASY-IMP entwickelt ein interdisziplinäres Team aus Experten für Sensorik, Informatik, Webprogrammierung, Biomechanik, Rehabilitation und Sport neue Methoden und Werkzeuge für intelligente Kleidung und eröffnet damit in Gesundheit, Sport und Computerspielen völlig neue Möglichkeiten. Koordiniert wird das dreijährige und mit 4,4 Millionen Euro von der Europäischen Union geförderte Projekt vom Forschungsbereich Erweiterte Realität des Deutschen Forschungszentrums für Künstliche Intelligenz (DFKI). Am 18. und 19. September 2013 fand das Kick-Off-Meeting des Europäischen Verbundprojektes EASY-IMP - Collaborative Development of Intelligent Wearable Meta-Products in the Cloud - am DFKI in Kaiserslautern statt. Die zwölf beteiligten Organisationen legten hierbei den Grundstein zur Entwicklung neuer Methoden für sogenannte tragbare Metaprodukte.

Ein typisches Beispiel für ein solches Metaprodukt ist ein Smartphone. Es bietet eine allgemeine Plattform, die durch das Herunterladen von Apps für unterschiedlichste Anwendungen genutzt und personalisiert werden kann. Im Rahmen von EASY wird dieses Konzept auf intelligente Kleidung übertragen. Durch die Integration frei wählbarer Sensorik in die Kleidung entsteht so ein neues Metaprodukt. Das Kleidungsstück lässt sich über ein Smartphone konfigurieren, um Bewegungen oder Vitaldaten des Benutzers zu erfassen und in Verbindung mit einer App für personalisierte Dienste zu nutzen. Je nach Funktionsumfang der Applikation können damit unterschiedlichste Anwendungen umgesetzt werden. Dies kann beispielsweise ein persönlicher Fitness-Trainer oder auch ein Assistent zur funktionalen Rehabilitation sein. Zusätzlich wird das System an Cloud-Dienste angebunden, so dass Daten bequem geteilt und beispielsweise in sozialen Netzwerken genutzt werden können.

Der DFKI Forschungsbereich Erweiterte Realität um Prof. Dr. Didier Stricker befasst sich im Rahmen des Projektes mit der Anbindung der Sensoren an mobile Geräte, der Auswertung der Sensordaten sowie der Gestaltung der Benutzeroberfläche auf dem Smartphone. Eine weitere Herausforderung für die Wissenschaftler besteht in der Entwicklung einer Simulationsumgebung zur Optimierung und Evaluierung der sensorischen Kleidung in einer virtuellen Umgebung.

Als erste Anwendungsfelder wurden die Bereiche Sport (personalisiertes Training, Performance Tracking, Remote-Coaching oder Technik-Korrektur), Gaming und Medizin (Rehabilitation, Ambient Assisted Living für ältere und gehandicapte Personen) identifiziert.

Ein konkretes Anwendungsszenario der Entwicklungen könnte sich in Zukunft etwa so darstellen: Ein Benutzer erwirbt im Online-Shop eine Jacke mit integrierten Sensoren. Zusätzlich lädt er die passende Sport-App auf sein Smartphone und konfiguriert darüber die Jacke. Wie vom Nutzer gewünscht, zeichnet diese nun etwa seine körperlichen Bewegungsdaten auf und überträgt diese zum Smartphone. Über die App werden die Daten weiter ausgewertet, um das tägliche Sportprogramm des Nutzers z.B. durch automatisches Zählen der Übungswiederholungen zu unterstützen. Zudem können die Daten in die Cloud übertragen und so mit anderen geteilt werden. Mit einer neuen App könnte dieselbe Jacke gleichzeitig dazu genutzt werden, die Haltung des Nutzers bei seiner täglichen sitzenden Tätigkeit zu überwachen und Rückmeldungen zu geben. Dies ist der Kerngedanke hinter einem Metaprodukt.

Im Projekt wird neben der tatsächlichen Entwicklung von personalisierten Produkten und Prototypen auch eine Methodik und Infrastruktur zur Zusammenarbeit aller Beteiligten entlang der Wertschöpfungskette in der Cloud entworfen. Mit dieser Plattform legen alle beteiligten Unternehmen, Designer, Sensorhersteller, Software-Entwickler und Experten (Trainer, Mediziner, Spieleentwickler) in einem gemeinsamen Entwicklungsprozess die Produktionsplanung, die Serviceintegration und den Umfang der neuen Produkte und Anwendungen fest. Dazu gehören etwa Designmöglichkeiten, installierbare Komponenten oder auswählbare Materialien und Sensoren. Der Kunde selbst konfiguriert die Funktionalitäten dann nach seinen persönlichen Bedürfnissen und Gestaltungswünschen. Die Anbindung der Kundenapplikation an modulare, flexible und adaptive Produktionsmodule verändert den gesamten Produktionszyklus und eröffnet völlig neue Perspektiven für personenorientierte Produktionsmodelle, so Stricker im Rahmen der Eröffnungsveranstaltung. EASY-IMP entwickelt die bisher noch fehlenden Methoden, Werkzeuge und eine geeignete Infrastruktur, um einen Paradigmenwechsel von der Massenproduktion hin zu personalisierbaren, intelligenten, über das Internet konfigurierbaren Produktion zu vollziehen.
Neben dem Deutschen Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz (DFKI) als Projektkoordinator gehören elf weitere Organisationen dem Konsortium an: Atos Spain S.A. (Spanien),

Interactive Wear AG (Deutschland), Uniersité Lumière Lyon (Frankreich), Athens Technology Center S.A. (Griechenland), Hypercliq Limited Partnership (Griechenland), Instituto De Biomecanica De Valencia (Spanien), Smart Solutions Technologies S.L. (Spanien), Timocco LTD (Israel), Sylvia Lawry Center for Multiple Sclerosis Research Foundation (Deutschland), Ljubljana Rehabilitation Institute (Slowenien), Federation of the European Sporting Goods Industry (Belgien).

Kontakt:
Prof. Dr. Didier Stricker / Dr. Gabriele Bleser
Forschungsbereich Erweiterte Realität
DFKI Kaiserslautern
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E-Mail: gabriele.bleser@dfki.de

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