Wenn Rechnen ein unlösbares Rätsel ist

13.12.2013 - (idw) Westfälische Wilhelms-Universität Münster

Projekt für Kinder mit Rechenstörung startet in zweite Förderperiode: Wissenschaftler der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster haben ein computergestütztes Diagnose- und Trainingsverfahren entwickelt und erforscht. Für die nun gestartete zweite Projektphase stellt das Bundesministerium für Bildung und Forschung rund 480.000 Euro für drei Jahre zur Verfügung. Lehrkräfte und Eltern können sich jetzt um eine Teilnahme bewerben. In der Schule rechnen sie am liebsten, indem sie mit den Fingern zählen, und sie vergessen schnell alles, was sie im Matheunterricht gelernt haben. Im Alltag haben sie Schwierigkeiten damit, abzuschätzen, wann ihre Lieblingssendung im Fernsehen beginnt. Alles, was mit Zahlen, Uhrzeiten oder Rechnen zu tun hat, ist für Kinder mit Rechenstörung oder Dyskalkulie ein meist unlösbares Rätsel. Um betroffene Grundschüler zu unterstützen, haben Wissenschaftler der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster (WWU) ein computergestütztes Diagnose- und Trainingsverfahren entwickelt und erforscht. Für die nun gestartete zweite Projektphase stellt das Bundesministerium für Bildung und Forschung rund 480.000 Euro für drei Jahre zur Verfügung. Die Wissenschaftler laden Eltern und Lehrkräfte ein, sich um eine Teilnahme zu bewerben.

"Dyskalkulie hat nichts mit Faulheit oder Dummheit zu tun, sondern ist eine von der Weltgesundheitsorganisation anerkannte Teilleistungsstörung. Pro Klasse sind im Schnitt ein bis zwei Kinder betroffen", erklärt Dr. Jörg-Tobias Kuhn vom Institut für Psychologie der WWU. Seine Kollegin Julia Raddatz, Doktorandin am Institut, ergänzt: "Kinder mit Dyskalkulie können Zahlen und Mengen schlecht im Kopf miteinander verbinden. Für sie stellen Zahlen häufig nur leere Wörter dar." Wenn der Zahlenbegriff beeinträchtigt sei, könnten Rechenaufgaben oft nur zählend gelöst werden, was in praktisch allen Bereichen der Schulmathematik zu Problemen führe.

Das münstersche Team um Prof. Dr. Heinz Holling (Institut für Psychologie) und Privatdozent Dr. Christian Dobel (Institut für Biomagnetismus und Biosignalanalyse) hat in der ersten Förderphase ein computergestütztes Dyskalkulie-Training für Grundschüler der zweiten bis vierten Klasse entwickelt und wissenschaftlich überprüft. Der Projekttitel "CODY" ist eine Abkürzung für "Computergestütztes Dyskalkulie-Testverfahren und -training".

Das Training umfasst spielerische Aufgaben, die in der Schule oder zu Hause am Computer selbstständig gelöst werden. Es passt sich in der Schwierigkeit automatisch dem spielenden Kind an. Trainiert werden grundlegende Bereiche wie Zahlenbegriff, Zahlenbeziehungen oder mathematisches Faktenwissen. Das Team der WWU betont, dass in einer kontrollierten Studie bei Kindern mit Dyskalkulie bereits ein sechswöchiges Intensivtraining zu deutlichen Leistungssteigerungen in Mathematik geführt hat.

Ziel der zweiten Projektphase ist die intensive Zusammenarbeit mit Grundschulen. Das CODY-Training soll nach Unterrichtsende von Schülern mit Förderbedarf in Mathematik genutzt werden. Schüler mit Dyskalkulie werden zusätzlich über mehrere Monate eine intensive wöchentliche Förderung durch Mitarbeiter der Universität Münster erhalten. "So können Schüler mit Schwierigkeiten in Mathematik individuell und wissenschaftlich fundiert gefördert werden, wodurch eine deutliche Verbesserung des Mathematikverständnisses zu erwarten ist", unterstreicht Jörg-Tobias Kuhn.

Die Teilnahme am CODY-Projekt ist kostenlos, jedoch ist die Teilnehmerzahl begrenzt. Interessierte Lehrkräfte und Eltern können sich ab sofort für die Projektteilnahme ab Frühjahr 2014 bewerben. Ansprechpartner ist Dr. Jörg-Tobias Kuhn (Telefon: 0251 83-34127, E-Mail: cody@uni-muenster.de). Weitere Informationen:http://www.uni-muenster.de/CODY/ Weitere Informationen zu CODY