Therapie schon vor der Geburt

06.10.1997 - (idw) Westfaelische Wilhelms-Universität Münster

upm-Pressemitteilung der Universitaet Muenster 374/97 - 06. Oktober 1997

Therapie vor der Geburt Tagung ueber Kinderintensivmedizin in Muenster

Vor 25 Jahren begannen Kinderaerzte, Fruehgeborene auf Intensivstationen zu behandeln. Dadurch konnten die UEberlebenschancen selbst von Fruehgeborenen mit einem Geburtsgewicht unter 1000 Gramm fast um das zehnfache gesteigert werden. Vor fuenf Jahren wiesen Kinderaerzte darauf hin, dass durch Vermeidung der Bauchlage das Risiko des ploetzlichen Saeuglingstodes gesenkt werden koenne. In der Folge sank die Rate dieser Todesfaelle um 50 Prozent. Dadurch ruecken die angeborenen Stoerungen, die bislang an dritter Stelle der Todesursachen bei Saeuglingen lagen, immer mehr in den Vordergrund des Interesses. Sie sind dehalb auch zum ersten Mal das Hauptthema des Jahreskongresses der Neugebornenaerzte und Kinderintensivmediziner, die vom 16. bis 18. Oktober 1997 in Muenster tagen.

Die Aktualitaet dieses Themas ist auch dadurch gegeben, dass die moderne Kindermedizin heute auch bei schweren angeborenen Stoerungen wie Herzfehlern, Defekten der Bauchwand, angeborenen Tumoren und Stoffwechselstoerungen ueber neue und erfolgreiche Behandlungsmethoden verfuegt. Tagungspraesident Prof. Dr. Gerhard Jorch vom Zentrum fuer Kinderheilkunde der Universitaet Muenster: "Eine angeborene Fehlbildung ist nicht automatisch gleichbedeutend mit einer lebenslangen Behinderung." Die praenatale Diagnostik biete die Moeglichkeit, viele angeborene Stoerungen schon vor der Geburt zu erkennen und damit die notwendigen Behandlungsschritte nach der Geburt rechtzeitig zu planen. Ein Einzelfaellen sei eine Therapie schon vor der Geburt moeglich.

Aber auch bei der besten praenatalen Diagnostik wird nur ein Teil der angeborenen Stoerungen erkannt. Ein normaler Befund vor der Geburt ist keine Garantie fuer ein gesundes Kind. Auf der anderen Seite koennen Verdachtsfaelle einer angeborenen Stoerung, die sich spaeter nicht bestaetigen, die Schwangere unnoetig belasten. Ausserdem gibt es derart schwere angeborene Stoerungen, die eine nur auf Lebenserhaltung ausgerichtete Therapie nicht menschlich erscheinen lassen. Prof. Jorch betont die Notwendigkeit, "Kinder mit schweren angeborenen Stoerungen, deren Leben mit Hilfe der Intensivmedizin gerettet wurde, auf ihrem weiteren Lebensweg so zu rehabilitieren, dass sie zu einem fuer sich und fuer andere befriedigenden Leben kommen koennen."

Die Mediziner wissen, dass die Haeufigkeit einiger angeborener Fehlbildungen von Faktoren der Umgebung wie zum Beispiel dem Vitamingehalt der Nahrung abhaengig sind. Die Ursachen und Risikofaktoren vieler Stoerungen sind jedoch nicht bekannt. Hier besteht in Zukunft grosser Forschungsbedarf, um Ansaetze fuer eine wirksame Vorbeugung zu bekommen. Die Universitaet Muenster, Mitte Oktober Gastgeber der groessten europaeischen Tagung fuer Neugeborenenmedizin und Kinderintensivmedizin, hat in diesem Bereich eine Tradition zu verteidigen, wurden doch wesentlich wissenschaftliche Erkenntnisse zur Entsteheung von angeborenen Fehlbildungen durch das Medikament Thalidomid ("Contergan-Katastrophe") seinerzeit von muensterschen Wissenschaftlern gemacht.

Kontaktadresse: Prof. Dr. Gerhard Jorch, Zentrum fuer Kinderheilkunde der Universitaet Muenster, Albert-Schweitzer- Strasse 33, 48149 Muenster, Telefon 0251/83 4 7810, Telefax 0251/83 4 7809, e-mail jorch@uni-muenster.de.