Konkrete Kunst in den RUB-Kunstsammlungen

27.01.1998 - (idw) Ruhr-Universität Bochum

Bochum, 27.01.1998 Nr. 22

Die Augen irritieren Ausstellung konkreter Kunst RUB zeigt Werke aus eigenen Beständen

,Farbe. Form. Geometrie" ist der Titel einer Ausstellung konkreter Kunst aus den Beständen der RUB-Kunstsammlungen, die Mittwoch, 28. Januar 1998 eröffnet wird. Präsentiert werden Werke von Josef Albers, Antonio Calderara, Adolf Fleischmann, Günter Fruhtrunk, Gerhard von Graevenitz, Wolfgang Ludwig, Almir Mavignier. Zur Eröffnung der Ausstellung, 28. Januar 1998, um 13.30 Uhr, in den Kunstsammlungen (Forum), ist die Öffentlichkeit herzlich eingeladen. Dauer der Ausstellung: 28.1. - 26.4.1998

Mehr als nur ein Ausfluß aus der Wahrnehmungspsychologie

Konkrete Kunst, konstruktive Konzepte oder schlicht Op Art sind Betitelungen jener künstlerischen Konzepte, die optische Phänomene mit einer elementaren Formensprache zur Anschauung bringen. Sie alle verfolgten das Ziel, das Auge zu irritieren, wie es ein anonymer Schreiber in dem wohl ersten Aufsatz zur Op Art formulierte: `pictures that attack the eye'. Dabei standen die Op Art-Künstler den Forschungen der Wahrnehmungspsychologie nahe, doch wollten sie keineswegs die Erkenntnisse dieser Wissenschaftsdisziplin nur illustrieren. Ihr Streben galt einer aufklärerischen Vermittlungsarbeit über Wahrnehmung und Optik. So unterschied der Altmeister der geometrischen Kunst, Josef Albers, zwischen Tatsache und Täuschung als eine Generalerkenntnis seiner Serie `Hommage to the Square'. Bei aller Wissenschaftlichkeit dieser Kunstrichtung war man sich der Verschiedenheit der Wissenschaftsbegriffe bewußt, wie Albers schließlich formulierte: ,In der Wissenschaft ist 1 + 1 immer 2, in der Kunst kann es auch 3 sein."

Vieles zum ersten Mal ausgestellt

,Farbe. Form. Geometrie." ist der schlichte Titel der Ausstellung in den RUB-Kunstsammlungen, die nicht lückenlos die Geschichte der geometrischen Kunst aufzeigen will. Es sind vielmehr die vielschichtigen Dimensionen in formaler wie inhaltlicher Hinsicht, die sich in der Auswahl der künstlerischen Positionen spiegeln. Unbelastet von begrifflichen Vorprägungen soll Unbekanntes erstmals und Bekanntes in verändertem Lichte präsentiert werden. So zeigt sich bei den ausgestellten Werken, daß - auch bei formalen Ähnlichkeiten - der jeweilige Ausgangspunkt dennoch verschieden sein kann. Josef Albers und Antonio Calderara entwarfen ihre Werke als Maler, Wolfgang Ludwig und Almir Mavignier als Vertreter der sogenannten Visuellen Kommunikation.

Geometrische Kunst im Zentrum der Sammlungen

Die geometrische Kunst ist ein Schwerpunkt der RUB-Kunstsammlungen. Es lag nahe, einmal die Schätze aus dem Depot den bereits in der ständigen Sammlung präsentierten Arbeiten in räumlicher und konzeptioneller Verdichtung gegenüberzustellen. Mehrere Arbeiten von Albers, Fruhtrunk, Fleischmann oder Calderara - zuzüglich unbekannterer Positionen wie Mavignier oder Ludwig - sollen das Prinzip der jeweiligen Formensprache und die Verschiedenheit der Ansätze anschaulich darlegen.