Psychotherapeuten Ärzten gleichgestellt

02.06.1998 - (idw) Ruhr-Universität Bochum

Als Dank dafür, daß Prof. Dietmar Schulte unermüdlich für das nun endlich verabschiedetete Psychotherapeutengesetz gekämpft hat, schenken ihm seine Kollegen - die Hochschullehrer/innen der Klinischen Psychologie deutschsprachiger Universitäten eine Vorlesung: Die insgesamt 14 Vorlesungen der Reihe "Klinische Psychologie: Grundlagen, Störungen und Intervention" an der RUB finden kompakt am 11./12. Juni 98 (jeweils 9:30 - 17:30 Uhr, Hörsaal HGA 10).

Bochum, 02.06.1998
Nr. 114

Den Ärzten endlich gleichgestellt
Deutsche Klinische Psychologen lesen in Bochum
Ehrung: Prof. Schultes Einsatz für das Psychotherapeutengesetz


Ein ungewöhnliches Geschenk als Dankeschön erhält Prof. Dr. Dietmar Schulte (Klinische Psychologie, Fakultät für Psychologie der RUB) von seinen Kollegen. Sie schenken ihm eine Vorlesung. Damit ehren die Hochschullehrer/innen der Klinischen Psychologie deutschsprachiger Universitäten Prof. Schulte für seinen unermüdlichen Einsatz für das im März 1998 verabschiedete Psychotherapeutengesetz. Die insgesamt 14 Vorlesungen der Reihe "Klinische Psychologie: Grundlagen, Störungen und Intervention" an der RUB finden kompakt am 11./12. Juni 98 (jeweils 9:30 - 17:30 Uhr, Hörsaal HGA 10) statt. Programm siehe unten.

25 Jahre Kampf um Gleichstellung

25 Jahre lang hat Prof. Schulte dafür gekämpft, daß die psychologisch ausgebildeten Psychotherapeuten den ärztlichen Psychotherapeuten sozialrechtlich und berufsrechtlich gleichgesetzt werden. Und obwohl schon in den 70er Jahren ein Gesetzesentwurf vorlag, konnte erst in diesem März das Psychotherapeutengesetz nun endlich verabschiedet werden. Arbeiteten pychologisch ausgebildete Psychotherapeuten bislang im Delegationsverfahren unter der Verantwortung von Ärzten, so sind sie nun ihnen völlig gleichgestellt. Den Arzt müssen sie im Verlauf der Behandlung ihres Patienten nur wegen eines Berichts konsultieren, ob eine körperliche Mitverursachung der psychischen Störung vorliegt.

Psychotherapeuten demnächst approbiert

Mit dieser völligen Gleichstellung sind weitere Konsequenzen verbunden: Sie wertet den Berufstand stark auf. Pychotherapeuten werden demnächst wie Ärzte approbiert, sie müssen nach einem Studium zum Diplom-Psychologen eine Zusatzausbildung in Klinischer Psychologie oder Kinder- und Jugendpsychotherapie absolvieren und - demnächst - vor einem Landesprüfungsamt die Prüfung ablegen; es entsteht eine Psychotherapeuten-Kammer, die die berufständische Fragen regelt, die Niederlassung von Psychotherapeuten wird - wie bei den Ärzten - 'gedeckelt'.

Aufwertung des Bochumer Weiterbildungs-Studiengang

Mit der Aufwertung der Psychotherapeuten wird auch aufgewertet der 6-semestrige Weiterbildungs-Studiengang "Klinische Psychologie und Psychotherapie" an der RUB, der für Diplom-Psychologen mit Grundausbildung in Klinischer Psychologie angeboten wird.


Programm

Donnerstag, 11.06.98,

9:30 - 10:00 Uhr: Begrüßung: Prof. Dr. H. Wottawa (Dekan der Fakultät für Psychologie), Prof. Dr. K. Hahlweg, (Braunschweig)

Moderation: B. Rockstroh (Konstanz)

10:00 - 10:45 Uhr: Prof. Dr. K. Grawe (Bern): "Welche Rolle spielen Konflikte für die Entstehung und Aufrechterhaltung psychischer Störungen?"

11:00 - 11:45 Uhr: Prof. Dr. R. De Jong-Meyer (Münster): "Psychologie der Depression"

11:45 - 12:30 Uhr: Prof. Dr. M. Hautzinger (Tübingen): "Verhaltenstherapeutisch-kognitive Therapie bei depressiven Störungen"


Vorsitz: M. Hautzinger (Tübingen)

14:00 - 14:45 Uhr: Prof. Dr. P. Fiedler (Heidelberg): "Persönlichkeitsstörun-gen und Verhaltenstherapie"

14:45 - 15:30 Uhr: Prof. Dr. D. Vaitl (Gießen): "Herz und Hirn im Dialog. Grundlagenwissenschaftliche und klinische Aspekte"

16:00 - 16:45 Uhr: Prof. Dr. K.-H. Wiedl (Osnabrück): "Neurokognitives Trai-ning bei Schizophrenen"

16:45 - 17:30 Uhr: Prof. Dr. B. Rockstroh (Konstanz): "Zugang zu kognitiven Auffälligkeiten bei Schizophrenie über hirnelektrische Maße"


Freitag, 12.06.98,

Vorsitz: D. Vaitl (Gießen)

9:30 - 10:15 Uhr, Prof. Dr. W. Lauterbach (Frankfurt): "Logische und psychologische Schwächen der DSM-Störungskategorien"

10:15 - 11:00 Uhr, Prof. Dr. Dahme (Hamburg): Vergleich kognitiver Verhaltenstherapie und psychopharmakologischer Therapie bei Bulimie nervosa"

11:15 - 12:00 Uhr: Prof. Dr. B. Kröner-Herwig (Göttingen): "Nie wieder Stille: Die Behandlung des chronischen Tinnitus durch psychologische Verfahren"

12:00 - 12:45 Uhr: Prof Dr. K. Hahlweg (Braunschweig): "Bis daß der Tod und scheidet: Zur Prävention von Beziehungsstörungen"

Vorsitz: B.-Kröner-Herwig (Göttingen)

14:00 - 14:45 Uhr: Prof. Dr. J. Margraf (Dresden): "Wenn Angst zur Krankheit wird"

14:45 - 15:30 Uhr: Prof. Dr. I. Florin (Marburg): "Bulimia nervosa"

16:00 - 16:45 Uhr: Prof. Dr. W. Fiegenbaum (Münster): "Verhaltenstherapie und Systemimmanenz"

16:45 - 17:00 Uhr: D. Schulte (Bochum): Schlußwort