ZETTELCHENS TRAUM oder "Warum sollte der Mensch nicht sein Geheimnis haben? Oder ein Tagebuch?"

07.01.1999 - (idw) Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt (Main)

Eva Demski ist die neue Gastdozentin der Frankfurter Poetikvorlesungen

FRANKFURT. Eva Demski nimmt die Stiftungsgastdozentur Poetik im Wintersemester 1998/99 wahr. Die Frankfurter Poetikvorlesungen sind der Erörterung von Fragen zur poetischen Produktion und ihren Bedingungen gewidmet und werden vom Suhrkamp Verlag und der Vereinigung von Freunden und Förderern der Universität unterstützt.
Die fünf Vorlesungen mit dem Titel "ZETTELCHENS TRAUM oder "Warum sollte der Mensch nicht sein Geheimnis haben? Oder ein Tagebuch?" beginnen am Dienstag, 12. Januar und werden fortgesetzt am 19. und 26. Januar sowie am 2. und 9. Februar. Sie beginnen jeweils um 18 Uhr im Hörsaal VI des Hörsaalgebäudes (Gräfstraße/Mertonstraße).
Die Vorlesungen werden im Dritten Fernsehprogramm des Hessischen Rundfunks jeweils donnerstags nach der Lesung übertragen.
Ergänzt wird die Poetik-Gastdozentur durch eine Lesung am 10. Februar im Frankfurter Literaturhaus, Bockenheimer Landstraße 102, um 20 Uhr.
Vom 13.1. bis zum 26.2. zeigt die Stadt- und Universitätsbibliothek Frankfurt am Main eine Ausstellung zum Leben und Werk Eva Demskis mit dem Titel "Eva Demski - Bilder und Schriften" im Austellungsraum der Bibliothek in der B-Ebene der U-Bahnstation Bockenheimer Warte. Ausstellungseröffnung ist am 12. Januar um 17 Uhr. Zu dieser Ausstellung ist ein Katalog erhältlich.

Mit Eva Demski konnte die Goethe-Universität eine Gastdozentin gewinnen, die der Stadt in vielfacher Weise verbunden ist. Demski verbrachte nicht nur einen Teil ihrer Kindheit und Jugend in Frankfurt, wo sie heute noch lebt, sondern arbeitete nach dem Studium als Dramaturgieassistentin an den Städtischen Bühnen und als Mitarbeiterin des Hessischen Rundfunks, für den sie zahlreiche Fernsehfilme, darunter mehrfach Autorenporträts, drehte. 1988/89 wurde sie zur Stadtschreiberin in Bergen-Enkheim ernannt und erhielt im Jahr darauf die Goethe-Plakette der Stadt Frankfurt. Ihre Zeit- und Gesellschaftsromane - der erste Roman Goldkind erschien 1979 - stehen in der Tradition eines Realismus, der eine "wirklichere Wirklichkeit" anstrebt und zugleich unterhalten will.

In Frankfurt spielt auch Demskis dritter Roman Scheintod (1984), der starke autobiographische Bezüge enthält, und den Tod ihres Ehemannes Reiner Demski zum Thema hat, der unter anderem einer der Strafverteidiger Gudrun Ensslins war. Ihre Poetikvorlesungen mit dem Titel ZETTELCHENS TRAUM oder "Warum sollte der Mensch nicht sein Geheimnis haben? Oder ein Tagebuch?" werden sich mit der Schreibwelt der Tagebücher beschäftigen. Sie beginnen "mit dem ersten Erinnerungskonto, ohne dessen Bilder und Töne kaum ein Autor auskommt, das Schreiben der Kinder als Weg von der Beschreibung des Ausgeliefertseins an die Erwachsenen bis zur Annexion ihres Terrains. Danach werden mit Beispielen von Thomas Mann bis Peter Rühmkorf, von Rahel Varnhagen bis Anais Nin, von der Hure Margot bis zu den diversen Minusmännern über viele Jahre, Länder und Gesellschaften die Möglichkeiten ausgeforscht, wie mit Hilfe der Tagebücher das dünne Seil zwischen Einzigartigkeit und geschichtlicher Bedeutungslosigkeit mit Anmut beschritten und ohne Absturz bewältigt werden kann." (Eva Demski)

Nähere Informationen: Anette Baumgartl, Stiftungsgastdozentur Poetik, Telefon 069/798-28991