Auszeichnung für Marburger Magen-Darm-Forscher

06.05.1999 - (idw) Philipps-Universität Marburg

Dr. Stephan Böhm erhält den mit 25 000 Mark dotierten Ludwig-Demling-Preis der Deutschen Morbus Crohn/Colitis ulcerosa Vereinigung

Der Marburger Magen-Darm-Forscher Dr. Stephan Böhm erhält am kommenden Samstag, 8. Mai, den Ludwig-Demling-Preis 1999. Der in diesem Jahr erstmals vergebene Preis wird ihm während der Jahrestagung der Deutschen Morbus Crohn/Colitis ulcerosa Vereinigung (DCCV) in Lübeck verliehen. Böhm erhält ihn für sein Projekt "Expression von Chemokin-Rezeptoren und ihrer Liganden bei chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen". Der Preis ist mit 25 000 Mark dotiert.

Bei Morbus Crohn und Colitis ulcerosa, zusammenfassend auch chronisch-entzündliche Darmerkrankungen (CED) genannt, handelt es sich um bislang nicht heilbare Erkrankungen, deren Ursachen noch unbekannt sind. Derartige Erkrankungen treten insbesondere auch bei jungen Menschen auf und beeinträchtigen deren Lebensqualität durch Bauchschmerzen und häufige Durchfälle, in schweren Fällen auch durch die Ausbildung von Gangsystemen, die vom erkrankten Darm zum Beispiel zur Haut oder zur Blase führen können. Über diese Gänge kann sich auch Stuhl entleeren.

Dr. Böhm, der in der gastroenterologischen Abteilung des Zentrums für Innere Medizin der Philipps-Universität (Leiter: Prof. Dr. Rudolf Arnold) tätig ist, forscht nicht nur im Labor nach den Ursachen solcher chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen, sondern erprobt zugleich im täglichen Umgang mit Patienten neue Medikamente zu deren Linderung. Im Rahmen seines jetzt ausgezeichneten Forschungsprojekts will er die Anwesenheit von Botenstoffen (Chemokine) und der Empfänger dieser Botenstoffe (Rezeptoren) auf den Zellen, die den Darm auskleiden (Epithelzellen), untersuchen. Von diesen Botenstoffen wird bislang vermutet, daß sie Entzündungszellen aus dem Blut in den Darm locken, die dort zur weiteren Zerstörung des Gewebes führen. Von der An- und Abwesenheit der etwa 15 bislang beschriebenen Chemokine und ihrer Rezeptoren auf den Epithelzellen des Darms hängt es ab, inwieweit diese Botenstoffe für die Zerstörung der Epithelschicht verantwortlich sind und ob dieser Prozeß in Zukunft verhindert werden kann, indem die Empfänger der Botenstoffe durch ein Medikament blockiert werden.

Im Rahmen einer welt- bzw. deutschlandweiten Studie werden im Marburger Universitätsklinikum derzeit zwei neuartige Medikamente zur Behandlung des Morbus Crohn erprobt. Es handelt sich hierbei um das ICAM-1 antisense Oligonukleotid ISIS 2302 und den in den USA bereits auf dem Markt befindlichen, in Deutschland aber noch nicht zugelassenen Tumornekrose Faktor alpha Antikörper.

Die Deutsche Morbus Crohn/Colitis ulcerosa Vereinigung (DCCV) ist die Patientenvereinigung der an CED erkrankten Menschen. Sie setzt sich nicht nur für die Forschungsförderung ein, sondern unterstützt auch einzelne Betroffene und engagiert sich für die Verbesserung der Gesamtsituation der Patienten.