Gesundheit der Pflanzen im öffentlichen Grün verbessern

22.05.2000 - (idw) Biologische Bundesanstalt für Land- und Forstwirtschaft

Dreitägige internationale Tagung der Biologischen Bundesanstalt und der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung/Pflanzenschutzamt Berlin

Die Gesundheit der Pflanzen im öffentlichen Grün muss wesentlich verbessert werden, forderten gestern Mitarbeiter der Biologischen Bundesanstalt in Braunschweig und des Pflanzenschutzamtes Berlin zu Beginn einer internationalen Tagung. Gerade bei der Anpflanzung von Bäumen und Büschen würden häufig die einfachsten Regeln nicht beachtet. Gesundes öffentliches Grün fängt bei der Planung an.

170 Wissenschaftler aus 33 Ländern treffen sich zu einer dreitägigen Tagung in Braunschweig, um Probleme erst einmal aufzuzeigen, aber auch um Lösungsmöglichkeiten zu finden. Das Konzept scheint eigentlich ganz einfach. "Die richtigen Pflanzen am richtigen Standort, optimal gepflanzt und fachgerecht gepflegt," fordert Dr. Hartmut Balder vom Pflanzenschutzamt Berlin. "Das ist die einzige Möglichkeit, die Pflanzen gesund zu halten". Schon bei der Planung wird häufig nicht auf die Pflanzen Rücksicht genommen, sondern mehr Wert auf das Design gelegt. Aber die Natur fordert dann ihren Tribut: die Pflanzen kümmern, haben häufig Krankheiten und Schädlinge und sterben womöglich ab.

Jedes Jahr gehen dabei Millionen von Werte verloren. Wie kostbar öffentliches Grün ist, zeigt die Statistik der Stadt Berlin: der Wert der etwa 400.000 Straßenbäume wird auf 2,2 Milliarden DM geschätzt. Dabei sind noch nicht die städtischen Wälder und andere Anlagen des öffentlichen Grüns einbezogen. Balder sieht das Problem auch in den Haushaltsvorschriften der Städte. Das billigste Angebot muss genommen werden, bietet aber nicht immer das meiste Grün und die beste Qualität.

Viele einzelne Faktoren müssen berücksichtigt werden. So sollten Bäume, die in lehmigen Böden angezogen worden sind, nicht in Sandboden gepflanzt werden. Sie können ihre Wurzeln dort selten optimal entwickeln.

"Wir müssen zu einem guten Gesamtkonzept von der Anzucht bis zum Anpflanzen und der darauffolgenden Pflege kommen" betonte der Spezialist für öffentliches Grün Prof. Dr. Georg Backhaus, der Leiter des Instituts für Pflanzenschutz im Gartenbau der Biologischen Bundesanstalt. Das gilt nicht allein für Bäume, sondern auch für die gesamte Planung und Anlage ganzer Grünbereiche in der Stadt. Viel zu wenig, so Backhaus, sei bisher die Biologie und das Zusammenwirken von Insekten und Mikroorganismen im Stadtgrün untersucht. Nur geringe Kenntnisse lägen dazu vor, welchen Einfluss Bebauungsmaßnahmen und die Umfeldgestaltung von Pflanzen in der Stadt auf Nützlinge und Schädlinge haben. Vorhandene Kenntnisse würden häufig auch nur unzureichend umgesetzt.

In einem speziellen Forschungsprojekt untersucht das Institut gemeinsam mit dem Pflanzenschutzamt Berlin, welche schädlichen und nützlichen Insekten- und Spinnenarten an Großgehölzen in der Stadt leben, wie das Artenspektrum durch die Umweltgestaltung beeinflusst wird und mit welchen Verfahren Nützlinge gezüchtet, gezielt eingesetzt und gefördert werden können. Das Forschungsprojekt wird vergleichend in den Städten Braunschweig und Berlin durchgeführt und in besonderer Weise auch durch das Grünflächenamt Braunschweig unterstützt.

Die Ergebnisse der internationalen Tagung sollen größere Klarheit in die Methoden zur Gesunderhaltung des Stadtgrüns bringen. Das öffentliche Grün muss seiner Bedeutung entsprechend von der Stadtplanung und Architektur wie auch von seiten der Biologie und des Pflanzenschutzes beachtet werden.(BBA)


Um Belegexemplar wird gebeten