Medizin für versauerte Seen

15.06.2000 - (idw) Technische Universität Dresden

Entsorga 2000 (26. bis 29. Juni 2000) in Köln
Medizin für versauerte Seen: Die In-situ Wasseraufbereitung

Saurer Regen hat in der Vergangenheit zahlreiche Gewässer in deutschen Mittelgebirgen, aber auch in Skandinavien und Nordamerika krank gemacht: Säurestress und hohe Konzentrationen giftiger Metalle wie Aluminium, Mangan, Cadmium zerstörten das ökologische Gleichgewicht und den Lebensraum von Fischen und Amphibien. Die Gewinnung von Trinkwasser ist mit hohen Kosten verbunden. Vielfach bereitet die zuverlässige Einstellung des pH-Wertes im Wasserwerk Probleme. Da sich die Ursachen der Versauerung kurzfristig nicht abstellen lassen und herkömmliche Kalkungsmaßnahmen oft wenig effektiv und mit Risiken verbunden sind, wird derzeit an der Technischen Universität Dresden ein Verfahren erprobt, das die Ökologische Station der Universität vom 26. bis 29. Juni 2000 auf der "Entsorga" in Köln vorstellen wird (Halle 13.1, Stand E20/F21).

Diese Methode vereinigt Aufgaben der Wasseraufbereitung mit Umwelt- und Naturschutzzielen. Hierbei kommt eine reaktive Puffersubstanz aus den mineralischen Komponenten - Natrium- und Kalziumverbindungen - zum Einsatz. Die bislang durchgeführten Versuche in überdimensionalen Experimentalgefäßen (Inhalt 1.200 m3) in einer versauerten Talsperre zeigten, dass die Ziele erreicht werden: Neben einer raschen und schonenden Neutralisierung des Wassers vergrößert sich das Vermögen des Wasser, einen Überschuss an Säure oder Lauge zu neutralisieren, erheblich und nachhaltig. Durch Fällung von Schadmetallen und schwer zersetzbaren, organischen Substanzen kommt es zur Entgiftung des Ökosystems und zur Vergrößerung der Transparenz im Wasser. Obwohl die Entwicklung von planktischen Kleinlebewesen zunächst leicht sank, etablierten sich neue Arten von Kiesel-, Grünalgen und Kleinkrebsen. Die Befürchtungen, dass sich Algen in Massen entwickeln, trafen nicht ein. Das Verfahren ist bioverträglich und eignet sich für Trinkwassertalsperren sowie Seen und Teiche, die zum Angeln und zur Fischzucht genutzt werden.
Das Forschungsvorhaben wird vom Bundesministerium für Bildung und Forschung gefördert und mit folgenden Kooperationspartnern realisiert: Terrachem Essen GmbH, Söll Gesellschaft für Ökologische Verfahren mbH, Landestalsperrenverwaltung des Freistaates Sachsen.

Informationen: TU Dresden, Ökologische Station Neunzehnhain, Neunzehnhainer Str. 14, 09514 Lengefeld, Dr. Lothar Paul, Dr. Kai-Uwe Ulrich, Telefon (03 73 67) 24 01, Fax (03 73 67) 21 03, E-Mail: nzh.ulrich@t-online.de oder vom 26. bis 29. Juni 2000 auf der "Entsorga", Internationale Fachmesse für Recycling und Entsorgung, in Köln, Gemeinschaftsstand "Forschungsland Sachsen", Halle 13.1, Stand E20/F21, Telefon (02 21) 28 46-0 97, Fax (02 21) 28 46-0 98.

Dresden, Juni 2000
Dr. Kai-Uwe Ulrich