"Kann man ein Eigentum am menschlichen Körper haben?"

19.10.2000 - (idw) Private Universität Witten/Herdecke gGmbH

Zur Ideengeschichte des Leibes vor aktuellem biopolitischem Hintergrund

Die Frage der Eigentumsfähigkeit lebendiger menschlicher Körpersubstanzen ist historisch neu. Sie ist im Gefolge biomedizinischer Forschung entstanden. Körperstoffe, die biotechnologisch interessant sind, erhalten in zunehmendem Maße ökonomischen Wert. Politik, Gesetzgebung, Justiz sehen sich vor das Problem gestellt, ob und wie die Eigentumskategorien des Privatrechts auf den menschlichen Leib anwendbar sind.

Anliegen

des Vortrags von PD Dr. Petra Gehring (Hagen)
am Donnerstag, den 26.10. 2000 um 19.30 Uhr
in der Universität Witten/Herdecke, Alfred-Herrhausen-Str.50

ist es, den Traditionsbruch deutlich zu machen, der eben mit dieser Frage - ob man Eigentum am Körper haben kann - verbunden ist. Die aktuellen Expertendiskussionen, auch die philosophischen, sind trügerisch. Sie behandeln das Problem als eine bloße Anwendungsfrage. Wie groß der Einschnitt ist, den die Verrechtlichung des Körpers darstellt, zeigt sich aber im Spiegel der Philosophiegeschichte und der Rechtsgeschichte des Leibes. Die Idee, der lebendige Menschenstoff könne verkehrsfähiges Eigentum sein, ist der europäischen Rechtsttradition fremd. Auch die liberale Tradition der Freiheit, unbeschränkt über sich selbst zu entscheiden, schließt eine Verfügung über sich selbst als "Eigentum" im Sinne des Privatrechts aus.

Abschließende Thesen des Vortrags gelten dem grundsätzlichen Zusammenhang von Biopolitik, Recht und Körper. Mit dem anstehenden Verrechtlichungsschub geht es nicht um ökonomische Profite allein. Die ökonomische Inwertsetzung verwandelt die Körpersubstanzen selbst in ein zirkulationsfähiges Allgemeingut: in ein Kapital, mit dem man Zeit, Lebenszeit, erwirtschaften kann.

Weitere Informationen bei Prof. Dr. Dirk Rustemeyer, 02302/926-812