Echo's Pool - neuer Blick auf vergessene Orte

18.05.2001 - (idw) Private Universität Witten/Herdecke gGmbH

Mit dem Projekt Echo´s Pool wollen die Witten/Herdecker Kunstwissenschaftler und Ausstellungsmacher Karen und Jörg van den Berg (art in dialog, Fakultät für das Studium fundamentale) neue Sichtweisen auf jüdische Kultur in Deutschland anregen.

Im Mittelpunkt von Echo's Pool stehen fünf jüdische Landfriedhöfe am Niederrhein - einem der ältesten jüdischen Siedlungsgebiete in Deutschland: "Jüdische Friedhöfe zählen zu den wenigen noch erfahrbaren Orten einstigen jüdischen Lebens in Deutschland. Es sind vielfach Orte voller geistiger und skulpturaler Kraft", sagt Jörg van den Berg, Dozent und Betreiber von "art in dialog" an der Universität Witten/Herdecke.

Mit der Kraft dieser Orte werden die international renommierten Künstler und Künstlerinnen Christine Borland (GB), Stefan Kern (D), Jörg Lenzlinger & Gerda Steiner (CH), Thomas Locher (D) sowie Richard Serra (USA) durch ihre Werke in einen Dialog treten. In den nächsten zwei Jahren sollen im unmittelbaren Umfeld der Friedhöfe in Alpen, Hoerstgen, Issum, Rheinberg und Xanten eigens für die jeweiligen Orte entwickelte Arbeiten realisiert werden, die die skulpturale und spirituelle Kraft der Orte ergänzen und begleiten.

"Die Kunstwerke werden unerwartete Bilder erzeugen und so einen neuen Blick auf diese vergessenen Orte ermöglichen", erklärt Karen van den Berg, ebenfalls Dozentin und Betreiberin von "art in dialog" an der an der UW/H: "Diese Friedhöfe sind eben keine Holocaust-Mahnmale, sondern Orte, die einer jahrhundertealten religiösen Kultur entstammen, die es wieder zu sehen gilt. Wir wollen zeigen, dass die Friedhöfe nicht Orte der Vergangenheit, sondern vor allem Orte der Zukunft sind." Denn im Gegensatz zu den Gräbern christlicher Friedhöfe, die nach zwanzig Jahren wieder abgeräumt werden, gehört dem jüdischen Toten die Erde, in der er ruht, auf ewig.
Diesen Aspekt der Dauer macht sich Echo's Pool zunutze. Während andere Zeugnisse jüdischer Kultur in der nationalsozialistischen Zeit vernichtet wurden, bergen Friedhöfe als Monumente, die den Holocaust überspannen, die Chance, sich jüdischer Kultur aus heutiger Sicht zu nähern: "Die Kunstwerke werden sich mit ihrer je spezifischen künstlerischen Sprache auf die Erfahrungspotentiale der jeweiligen Orte beziehen", sagt Jörg van den Berg. "Es werden keine Mahnmale oder Erinnerungszeichen entstehen, sondern diskursiv angelegte künstlerische Projekte, die vor allem auch Jugendliche mit einbeziehen werden." So sollen etwa Schulen der Region Patenschaften für die Orte übernehmen.

Echo´s Pool entsteht in Zusammenarbeit mit dem Landesverband jüdischer Gemeinden von Nordrhein, der Stiftung DKM Duisburg, dem Salomon Ludwig Steinheim-Institut, den jeweiligen Gemeinden und dem Land Nordrhein-Westfalen.

Eine umfangreiche Projekt-Publikation wird 2002 erscheinen. Hierin wird auch ein am 27. und 28. Juni in der Universität Witten/Herdecke stattfindendes Symposion zu mit dem Projekt verbundenen kulturtheoretischen Fragen dokumentiert.

Den Beginn von Echo's Pool markiert eine Ausstellung mit Arbeiten der beteiligten Künstler, die am 31. Mai um 20 Uhr in der Stiftung DKM im Duisburger Innenhafen gegenüber dem neugebauten jüdischen Gemeindezentrum eröffnet wird. Die Ausstellung wird von der fünfteiligen Diskussionsreihe "gespräche um vier" begleitet.


Einladung zur Pressekonferenz Echo´s Pool

Zeit: Donnerstag, den 31. Mai 2001, 11 Uhr
Ort: Stiftung DKM, Philosophenweg 17A, D 47051 Duisburg


Kontakt: Jörg van den Berg, Tel.: 02302/926-811, 0172/2082499