Neurologe Wolfgang Oertel für Parkinson-Verdienste gewürdigt

08.10.2004 - (idw) Philipps-Universität Marburg

Professor Dr. Wolfgang H. Oertel, ärztlicher Direktor der Neurologischen Klinik der Philipps-Universität Marburg, erhielt den mit 50.000 Euro dotierten Dr. Dingebauer-Preis für seine Verdienste um das Kompetenznetzwerk Parkinson

Professor Dr. Wolfgang H. Oertel, ärztlicher Direktor der Neurologischen Klinik der Philipps-Universität Marburg, erhielt zusammen mit Professor Dr. Günther Deuschl (Christian-Albrechts Universität Kiel) den Dr. Dingebauer-Preis. Diese mit 50.000 Euro dotierte Auszeichnung, die die Deutsche Gesellschaft für Neurologie zum zweiten Mal seit 2002 verleiht, würdigt hervorragende Leistungen in der Erforschung der Parkinson'schen Krankheit und anderer neurologischer Erkrankungen. In diesem Jahr werden mit Oertel und Deuschl zwei hochrangige Ärzte und Wissenschaftler für ihre breitgefächerten Aktivitäten auf dem Gebiet der Grundlagenforschung, der Erforschung der Parkinson'schen Krankheit und in Anerkennung der Leistungen beim Aufbau des Kompetenznetz Parkinson ausgezeichnet.

In der Laudatio hieß es, Oertel habe sich in vielfältiger Weise um die Grundlagenforschung (u. a. Genetik, Transplantations- und Stammzellforschung), die klinische (pharmakologische und bildgebende Diagnostik, experimentelle und Pharmakotherapie) und die Versorgungsforschung verdient gemacht. Insbesondere für seine Verdienste beim Aufbau des Kompetenznetz Parkinson wird Oertel mit dem Dr. Dingebauer Preis geehrt. Das Kompetenznetz wird seit 1999 vom Bundesministerium für Bildung und Forschung gefördert und hat zum Ziel, die einzelnen Bereiche von Grundlagen- und klinischer Forschung über die Diagnose bis hin zur Therapie zu vernetzen. Dem Sprecher des Kompetenznetzes Parkinson gelang es, führende forschende mit versorgenden Einrichtungen zusammenzuführen. Heute gehören 26 Kliniken zum Kompetenznetz, mehrere niedergelassene Facharztpraxen sind assoziiert. Auf Initiative von Oertel hat sich im Kompetenznetz 2003 die German Parkinson Study Group (GPS) gegründet, die Industrie-gesponserte Studien und eigene Forschungsprojekte durchführt. Neben seiner Arbeit als Chairman im Executive Committee der GPS engagiert sich Oertel zudem als Koordinator des Parkinson European Netzwerkes sowie als Vorstandsmitglied zahlreicher nationaler und internationaler Gesellschaften.

Der zweite Preisträger Professor Dr. Günther Deuschl, Leiter der Neurologischen Klinik der Christian-Albrechts Universität Kiel, wird insbesondere für seine Arbeiten zur Pathophysiologie und Therapie der Parkinson-Erkrankung geehrt. Wissenschaftliche Schwerpunkte seiner Arbeit liegen u. a. in der Untersuchung des Kardinalsymptoms Tremor, der Untersuchung von hypokinetischen Gangstörungen bei Parkinson-Syndromen, von Dyskinesien und kognitiven Störungen bei Parkinson-Patienten. In den letzten Jahren beschäftigte sich Deuschl mit der tiefen Hirnstimulation und der Erforschung ihrer Pathophysiologie. Dazu zählen vor allem deren kognitive, emotionale und vegetative Wirkungen.

Es gelang ihm im Rahmen des Kompetenznetz Parkinson, das er maßgeblich mitgestaltete, eine Studiengruppe zur tiefen Hirnstimulation zu etablieren. Diese Studiengruppe führt die weltweit erste randomisierte prospektive Studie zur Wirkung der tiefen Hirnstimulation im Vergleich zur medikamentösen Therapie durch. Deuschl ist heute Vorstandsmitglied in zahlreichen internationalen wissenschaftlichen Gesellschaften und ist außerdem seit 2003 Herausgeber der wissenschaftlichen Zeitschrift "Movement Disorders".

Weitere Informationen:

Dr. Sonja Franke
Klinikum der Philipps-Universität
Klinik für Neurologie - Kompetenznetz Parkinson
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